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Hallo Mama,

Weihnachten steht vor der Tür, alle laufen aufgeregt durch die Gegend, stehen unter Zeitdruck....., keiner hat so recht Zeit für mich. Ich will diesen Augenblick nutzen um Dir eine kleine Freude zu machen.

Ich will Dir eine Geschichte erzählen.........


Es war einmal eine Hundedame Namens Cindy, Ihr Herrchen und Frauchen stimmten Ihrem Wunsch nach einer ganzen Schar Welpen zu. So erblickten, am 11.04.1997, sieben kleine Welpen ( 4 Rüden + 3 Hündinnen ) das Licht der Welt. Alle sollten einen Namen mit A beginnend tragen, so hießen die 4 Rüden – Aron, Alf, August und Aik und die 3 Hündinnen Aileen, Amy und Angie.

Es kamen viele Leute die Cindys Welpenpracht bestaunten, Mamahund schwebte im siebten Himmel. Doch dann eines Tages wurde Ihr Glück getrübt, ihre ganze Meute wurde ihr nach und nach genommen. Die kleinen heulten ihrer Mama hinterher, doch es half nichts, es gab kein zurück für sie.

Von einem dieser Welpen will ich Dir erzählen. Er hieß bei seiner Geburt Aik.
An dem Tag an dem er seiner Mutter weggenommen wurde verpaßte man ihm einen neuen Namen. Rocky sollte er von nun an heißen.

Er hatte angst; er weinte nach seiner Mama. Die erste Nacht im neuen Heim war ganz schrecklich für ihn, doch dann begann er sich langsam mit seiner neuen Situation anzufreunden. Er erforschte, sein neues Heim, ging auf Entdeckungstour, fuhr mit dem Auto spazieren, lernte kleine menschliche Geschöpfe kennen....-abends fiel er glücklich auf sein Lager. Schnell hatte er den Tag der Trennung vergessen.
An einem Tag legten ihm seine Menschen so’n blaues Ding um den Hals, sie nannten es Halsband. Sehr schnell hatte er begriffen, das dieses Halsband und der dazu gehörende Strick ( Leine ) etwas tolles waren. Denn wann immer auch seine Menschen damit ankamen ging es auf Entdeckungstour.
Eigentlich konnte er nicht verstehen warum ihn seine Menschen nicht einfach ohne Leine laufen ließen. So beschloß er ihnen, wann immer er ohne Leine laufen durfte zu zeigen das sie ihm vertrauen konnten. Immer, wenn er seinen neuen Namen hörte kam er freudig angestürmt um zu schauen, was seine Menschen von ihm wollten. Okay, es gab auch Momente in denen er nur zögerlich und erst nach dem 3 bzw. 4 mal rufen kam. Doch das war selten. Seine Menschen lernten ihm zu vertrauen. Draußen bekam er immer mehr Freiheit, er durfte immer öfter ohne Leine laufen. Bis eines Tages die Leine fast überflüssig wurde. Nur noch in der Stadt oder an viel befahrenen Straßen mußte er an die Leine, zu seiner eigenen Sicherheit sagten die Menschen.
Bei seinen Entdeckungstouren lernte er viele neue Artgenossen kennen. Einige von ihnen waren ganz nett, mit ihnen konnte man toben, spielen, rennen und balgen. Doch dann gab es auch welche die ihm nicht gut gesinnt waren und ihn nieder machten. Zu seinem eigenen Schutz beschloß er allem neuen gegenüber stets vorsichtig ja sogar ängstlich gegenüber zu treten.
Seine Menschen merkten schnell was ihrem Schützling besonders viel Spaß machte. So wundert es wahrscheinlich nicht, das seine Artgenossen zweitrangig wurden. Erst seine Menschen und danach seine Artgenossen. Spielen mit Herrchen oder Frauchen, sei es im/am Wasser, mit dem Ball oder Stöckchen oder einfach Kommandos zu befolgen wurde für ihn das größte.

Immer wieder hörte er sein Frauchen oder Herrchen sagen: Wenn er erstmal ein Jahr ist, dann geht er zum Hundeplatz und macht Agility. Er wußte nichts mit diesem Begriff anzufangen, doch er war davon überzeugt das es nichts schlechtes war, wenn seine Menschen das wollten.

Ein Paar Tage nach seinem ersten Geburtstag mußte er wieder an diesen grauenvollen Ort. Die Menschen nennen es Tierarzt. Hier sollte er seine Impfung bekommen, damit er auch immer schön gesund bleibt. Außerdem wollte sein Frauchen wissen ob seine Knochen den Belastungen des Agilitys stand halten. Die Dame mit dem langen weißen Kittel meinte er sei vollkommen gesund und könne ohne jegliche bedenken diese Art vom Sport betreiben. Sein Frauchen war total glücklich.
Nun machten sich seine Leute auf die Suche nach einer große eingezäunten Wiese – die Menschen nennen das Hundeplatz. Wahrscheinlich, weil da ganze viele Hunde sind.
Ende Mai 1998 war es dann soweit, er sollte erfahren was Agility ist. In den ersten Stunden war sein Frauchen so nervös, das er vor lauter Hektik gar nicht so recht merkte was da eigentlich von ihm verlangt wurde. In weiteren Stunden begriff er, was er machen mußte und fand es ganz toll. Ab dem Tag wo es bei ihm Klick gemacht hatte, konnte er sich Freude kaum noch halten, wenn es zum Hundeplatz ging. Agility wurde eine seiner größten Leidenschaft. Schon bald durfte er zusätzlich zu der Anfängerstunde auch an den Übungsstunden für die Fortgeschrittenen teilnehmen. Kurz drauf langweilten ihn die Anfänger und er ging nur noch zu den "Profis".
Dort lernte er seinen dicksten Kumpel kennen. Die beiden tobten vor jeder Trainingsstunde und auch nach jeder Stunde gemeinsam. (Manchmal auch, verbotenerweise, mittendrin)

Im Mai diesen Jahres fuhren beiden zusammen auf einen Lehrgang bzw. zu einem Agility-Intensiv-Training. Eine Woche Agility total, das war echt klasse. Hier stellten die beiden, wieder einmal mehr ihre Freundschaft unter Beweis. Aus Frust das sie in unterschiedlichen Gruppen trainieren sollten zerknabberten sie im Auto beide Rücksitzgurte. Auf der Anklagebank verpetzte keine den anderen, wahre Freunde halten eben zusammen.

In der gleichen Zeit kamen ein paar neue Hunde mit ihren Herrchen und Frauchen zum Hundeplatz. Rocky entdeckte nach einigen Anlaufschwierigkeiten für eine der "neuen" seine Liebe. Er flirtete was das Zeug hielt. Sein Freund hatte sich überings auch in die besagte neue Schönheit verliebt. Wer würde ihre Gunst erlangen?

Inzwischen ist der einst so kleine unbeholfene Troll fast erwachsen. Er ist seinem Menschen der Beste und dickste Freund. Nur schwer können sie ihn für ein paar Stunden oder gar mal ein Wochenende (zu Verwandten, oder so heißt das bei Menschen) abgeben. Im Agility ist er ein kleiner "Star" – nur auf Wettkämpfe starten darf er nicht, es fehlt ihm die Begleithundprüfung.
Er erlangte die Gunst seiner Liebe, seiner ersten großen liebe unter Artgenossen. .........

Mama, Dir ist wahrscheinlich längst klar das diese Geschichte von mir gehandelt hat. Ich bin so glücklich in meinem neuen zu Hause, ich hoffe oder wünsche mir das es meinen Geschwistern genauso gut geht wie mir. Ich würde mich freuen Dich mal wieder zusehen. Wie wäre es, wenn Du mich mal beim Training besuchen würdest – das hast Du mir doch auch bei unserem letzten Treffen versprochen. Ich will Dir noch mal unsere Trainingszeiten sagen, vielleicht hast Du diese ja einfach nur vergessen.
........

Dein Rocky

 

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© Bianka Ruschenburg